Interview Teil II: Frank Neuschulz über Personalsuche, Weiterbildung und Innovation

Es geht weiter mit unserem Interview, in dem Frank Neuschulz noch viele Dinge mehr über Mayer Feintechnik verrät. Beispielsweise spricht er darüber, welche Unterstützungsleistungen für neue Mitarbeiter selbstverständlich sind und wie er sich die künftige Entwicklung des Unternehmens vorstellt. Industrie 4.0 ist dabei ein entscheidendes Stichwort genauso wie die entsprechende Qualifizierung der Mitarbeiter.

  1. Suchen Sie aktuell Mitarbeiter? Und was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern? Was ist Ihnen wichtig? Haben Sie Tipps für potentielle Mitarbeiter, die sich bei Ihnen bewerben wollen?

Wir suchen eigentlich immer gute neue Mitarbeiter. Ein wachsendes Unternehmen braucht laufend mehr Personal. Ein Mitarbeiter sollte gute qualifiziert sein und sich auch in Zukunft permanent weiterbilden wollen. Motivation ist das wichtigste, natürlich sollte er oder sie auch zuverlässig, flexibel, loyal, teamfähig und ehrgeizig sein.

Herr Lüddecke an der Sprint50 (1 von 1)

  1. Im Gegenzug stellt sich natürlich die Frage: Was können Ihre ‑ potentiellen – Mitarbeiter von Ihnen erwarten? Welche Möglichkeiten existieren beispielsweise, um sich weiterzuentwickeln, sowohl fachlich als auch persönlich?

Unsere Mitarbeiter erwarten ein gutes Arbeitsklima, hervorragende Aufstiegschancen, einen sicheren Arbeitsplatz, eine gute Bezahlung, Weiterbildungsmöglichkeiten und vor allem modernste Produktionsmittel. Wir helfen bei persönlichen genauso wie bei fachlichen Problemen. Wir unterstützen aktiv die Entwicklung jedes Mitarbeiters. Die Mitarbeiter sind unser größtes Kapital im Unternehmen.

  1. Woher stammen Ihre Mitarbeiter überwiegend? Aus der Umgebung?

Hauptsächlich aus der Gegend. Auch wenn sie oft einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Bei uns ist Integration kein Thema, sondern gelebte Firmenkultur. Bei uns vereinen wir viele Nationalitäten zu einem Ganzen. Bereits in den 70er Jahren wurden die sogenannten vietnamesischen Boatpeople aufgenommen und heute arbeitet bereits die zweite Generation in unserem Haus.

  1. Stellen Sie sich vor, ein potentieller Mitarbeiter hat ernsthaftes Interesse an einem Job bei Mayer Feintechnik in Göttingen – lebt aber in Wien und kennt sich in Südniedersachsen nicht aus, auch Kontakte hat er hier keine. Inwiefern kann Mayer Feintechnik dazu beitragen, dass sich Mitarbeiter, die noch über kein soziales Netzwerk in der Stadt verfügen, wohl bei Ihnen und in Göttingen fühlen?

Soziale Integration ist das allerwichtigste für neue Mitarbeiter aus anderen Regionen. Nur wenn sich ein Mitarbeiter beruflich und privat bei uns wohl fühlt, wird er auch bleiben. Deshalb unterstützen wir auf unterschiedlichen Ebenen. Wir helfen bei der Wohnungssuche oder geben wichtige Tipps. Wir unterstützen bei Familien auch deren Familienangehörige, egal ob bei der Arbeitssuche oder der richtigen Schulauswahl für die Kinder. Göttingen ist wirklich eine sehr schöne Stadt mit 130.000 Einwohnern, wobei davon 30.000 Studenten die Stadt bis spät in die Nacht füllen. Sie bietet viele Möglichkeiten, die Freizeit optimal zu nutzen: kulturell oder sportlich. Die Stadt Göttingen hat einen ICE Bahnhof, ist direkt an der A7 (Nord-Süd-Verbindung) und A38 (Ost-West-Verbindung) gelegen und liegt im Herzen Deutschlands. Der Harz ist 1h entfernt, Hannover 1h, Hamburg, Frankfurt, Ruhrgebiet  jeweils 2,5h und Berlin, die Nord- und Ostsee jeweils ca. 3h.

  1. Erzählen Sie etwas über Ihren persönlichen Werdegang! Ihr Familienname ist nicht Mayer – wann und wie hat Sie Ihr Weg zu Mayer Feintechnik geführt? Welche Entwicklungen haben Sie genommen?

Ich bin in der DDR gemeinsam mit drei Brüdern glücklich aufgewachsen und habe dort auch in einem großen Motorenwerk meine Ausbildung zum Werkzeugmacher absolviert und dort auch gearbeitet. 1989 habe ich die DDR verlassen um in Freiheit selbstbestimmt zu leben. Nach einigen nationalen und internationalen Stationen bin ich 1991 der Liebe wegen in Göttingen gelandet und habe mich dort auch beruflich neu orientiert. Ich habe damals einen kaufmännischen Weg eingeschlagen und meinen Industriekaufmann mit Auszeichnung bestanden. Aufgrund meiner zwei Berufe war ich prädestiniert für den Beruf eines technisch strategischen Einkäufers, welchen ich bei einem amerikanischen Technologiehersteller ab 1995 ausgeübt habe. Dort habe ich national und international feinmechanische Produkte und Systeme eingekauft. 2001 wurde ich dann in die Geschäftsleitung eines Spin-off Unternehmens des Konzerns berufen und war dort für die gesamte Beschaffung zuständig. 2004 habe ich meinen Traum wahr und mich selbständig gemacht. Ich habe bewusst Unternehmen gesucht, wo eine anspruchsvolle Basis vorhanden ist. So bin ich zu Mayer Feintechnik gekommen, da dort ein Unternehmensnachfolger gesucht wurde.

  1. Innovation, Technologie und Automatisierung werden in Ihrem Unternehmen groß geschrieben – Welche Visionen haben Sie für die Zukunft? Welchen Heraus- und Anforderungen muss sich Ihr Unternehmen zukünftig dabei stellen? Und wie bereiten Sie Ihre Mitarbeiter darauf vor? Stichwort Industrie 4.0 – wohin entwickeln sich die Berufsbilder?

Das was wir in der Vergangenheit gemacht haben, werden wir auch in der Zukunft fortführen: Wir werden uns weiterentwickeln – und das auf allen Ebenen. Das Thema Industrie 4.0, also die intelligente Fabrik, wo Maschinen untereinander kommunizieren, verfolgen wir intensiv. Auch dort werden die Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg sein. Sie werden selbstbestimmter arbeiten als heute. Die Tätigkeiten werden eine höhere Qualifizierung voraussetzen. Somit werden wir die Mitarbeiter auf diesem Weg mitnehmen.

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Geschäftlich werden wir uns zu einem generischen Systemlieferanten entwickeln und nicht nur unsere Kunden technologisch beraten, sondern auch Produkte für unseren Kunden entwickeln.

  1. Sicher interessant für potentielle Mitarbeiter – sind Sie Mitglied im VDMA oder einem anderen Industrieverband? Wenn ja, was versprechen Sie sich davon? Wenn nein, welche Gründe sprechen für Sie dagegen?

Wir setzen weniger auf Verbandsmitgliedschaften, sondern auf Unternehmensnetzwerke. Diese Partnerschaften verbessern aktiv und nachhaltig unsere Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit.

  1. Zum Schluss Herr Neuschulz: Ihre schönste Anekdote …

Als eines Tages eine alte Maschine kaputt war und es keine Firma mehr gab, die diese Maschine reparieren wollte, erzählte mir mein Produktionsleiter, dass es für diese Maschine einen Spezialisten kenne. Ich hatte natürlich sofort angewiesen, zu dieser Firma bzw. dem Monteur direkt Kontakt aufzunehmen und ihn zu bestellen – es sei denn er hätte einen langen Anfahrtsweg, da die Anfahrtskosten immer sehr hoch sind. Mein Produktionsleiter beruhigte mich und versicherte mir, dass die Anfahrt kein Problem sei.

Eines Tages kam ein – mit Verlaub – älterer Herr auf einem – ich würde sagen gleichaltrigen – Herrenrad bei uns an und stellte sich als Herr Ruhe vor – genannt Opa Ruhe. Herr Ruhe war zu diesem Zeitpunkt bereits knapp 90 Jahre alt. Ich schaute ihn an und zweifelte daran, dass dieser schmächtige alte Mann eine so schwere Maschine reparieren könne und das in seinem Alter. Aber weit gefehlt! Opa Ruhe brachte sie wieder zum Laufen. Das war eines der kuriosesten und beeindruckendsten Begegnungen meiner Zeit bei der Mayer Feintechnik GmbH.

Den ersten Teil des Interviews findet Ihr hier.